Rosenkriege haben Dornen #23

Es beginnt mit der großen Liebe und endet als schmierige Seifenoper. Besonders Trennungen von Promis schaffen es oft in die Öffentlichkeit. Wie zum Beispiel die Schlammschlacht von Johnny Depp und Amber Heard, in der sie ihm häusliche Gewaltausbrüche und krankhafte Eifersucht vorgeworfen hat. Aber auch „ganz normale“ Menschen schaffen es ab und an mit ihrem Rosenkrieg in die Medien, wie vor ein paar Wochen im normalerweise idyllischen Bad Pyrmont in Niedersachsen, wo eine Frau ihren Ex-Mann mit Reizgas in die Knie zwang. Dieser hatte ihr beim Shoppen aufgelauert und sie verbal angegriffen. Die Folge? Ein verletzter Ex-Mann und jeweils eine Anzeige. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die Frau. Ihrem von ihr getrennt lebenden Ex-Mann wird Beleidigung zur Last gelegt.

„Der Rosenkrieg“

Noch heftiger zur Sache ging es beim Hollywood-Streifen „Der Rosenkrieg“, der 1989 in die Kinos kam, und noch heute ein echter Klassiker ist. In dem Film erzählt Rechtsanwalt Gavin d’Amato einem scheidungswilligen Klienten eine Geschichte, ohne ein Honorar dafür zu verlangen. Und wenn ein Spitzenanwalt, der Unmengen in der Stunde verdient, so etwas tut, sollte man schon genau zuhören. Er erzählt von der Liebesgeschichte des angehenden Juristen Oliver Rose und der Sportstudentin Barbara Gordon, die sich bei einer Kunstauktion kennenlernen. Sie heiraten und ziehen zusammen zwei Kinder auf. Um sich zu beschäftigen, stellt Barbara Leberpastete her und eröffnet einen Partyservice.

Oliver unterstützt seine Frau und stellt die Hausangestellte Susan ein, um Barbara zu entlasten. Im 18. Ehejahr bricht Oliver während eines Geschäftsessens zusammen und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte befürchten, dass es sich um einen Herzinfarkt handelt. Auf der Bahre kritzelt Oliver liebevolle Abschiedszeilen an seine Frau. Nach ein paar Tagen kann Oliver das Krankenhaus aber gesund verlassen. Seine Frau hat ihn kein einziges Mal besucht, sie holt ihn auch nicht ab. Zu Hause erfährt er den Grund: Bei dem Gedanken, er könne tot sein, fühlte sie sich frei und wie von einer Last befreit. Barbara verlangt die Scheidung. Auf Alimente verzichtet sie, aber sie will das Haus, das sie gefunden und eingerichtet hat – auch wenn es ihr Mann bezahlt hat. Doch auf die Villa will Oliver nicht verzichten. Er bietet Barbara eine halbe Million Dollar dafür, aber sie geht nicht darauf ein. Sein Freund und Scheidungsanwalt rät ihm, nicht länger im Hotel zu wohnen, sondern wieder in die Villa zu ziehen. Damit fängt das Chaos an. Die Villa wird zum Kriegsschauplatz. Dieser Rosenkrieg endet in keinem Happy End.

Kinder – die schärfste Waffe im Rosenkrieg

Die schärfste Waffe in Rosenkriegen aber sind die, die sich nicht wehren können – die eigenen Kinder. Solange die Beziehung intakt ist, sind sie das größte Glück für ihre Eltern. Ist sie es nicht und steht eine Trennung bevor, stürzen sie allzu oft ins Unglück. Oft nämlich müssen sie nicht nur den Streit und die Trennung verkraften, sondern werden häufig auch gegen den Ex-Partner eingesetzt. Aus verletzten Gefühlen, einer Kränkung, verletzter Eitelkeit oder aus Stolz heraus wird in einem Rosenkrieg immer der andere für das Scheitern der Ehe verantwortlich gemacht. Also soll er/ sie leiden. Und oftmals ist eben der verwundbarste Punkt des Partners der Nachwuchs, also tut das besonders weh.

Auch wenn Kinder scheinbar ein sehr effektives Mittel im Kampf gegen den verhassten Ex-Partner sind, sollten sich die Eltern ganz genau überlegen, ob sie den „Krieg“ auf dem Rücken und auf Kosten ihrer Kinder führen wollen. Eine gescheiterte Ehe ändert nichts an der Tatsache, dass beide Elternteile gemeinsam nach wie vor die Verantwortung gegenüber ihren Kindern haben und diese ein Recht haben auf Kontakt zu beiden Elternteilen.

Beim Geld endet die Freundschaft

Neben den Kindern ist es vor allem das Geld um das es geht. Und beim Geld endet bekanntlich für viele die Freundschaft. Und erst recht der Spaß. Wenn der verhasste Ex-Partner schon die Ehe auf dem Gewissen hat und jetzt seine eigenen Wege geht, soll er das nach Möglichkeit auch mit seinem eigenen Geld tun, ganz egal ob er Anspruch auf Unterhalt hat oder nicht. Um diesen Ansprüchen zu umgehen, greifen viele ganz tief in die Trickkiste: Das Geld wird einfach verprasst oder Dokumente wie Eheverträge vernichtet. Doch Vorsicht: Die absichtliche Vernichtung von Dokumenten zum Nachteil von anderen Personen ist strafbar.

Der Streit um den Wäschetrockner

Neben dem Geld und den Kindern ist auch das Scheidungsverfahren ein Grund für einen heftigen Rosenkrieg. Denn bevor eine Ehe tatsächlich beendet ist, gibt es rein rechtlich einiges zu beachten und zu durchlaufen. Das gemeinsame Vermögen und der Haushalt müssen aufgeteilt, das Trennungsjahr überstanden und ein Scheidungsantrag gestellt werden. Wenn jetzt die Scheidung zum Rosenkrieg wird, müssen sich die Partner darauf einstellen, dass die einstige Liebe zur Seifenoper verkommt. Beide Partner werden jetzt versuchen dem Anderen das Leben in der Scheidung möglichst schwer zu machen. Dann streitet man sich nicht nur Ewigkeiten um den Wäschetrockner, sondern räumt beispielsweise die Wohnung in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus, oder zieht das Trennungsjahr bis zum Sankt-Nimmerleinstag in die Länge. Extreme Rosenkriege enden dann sogar im Krankenhaus, vor dem Staatsanwalt und im Gefängnis.

von Benedikt Dellert

 

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