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Sonderthema WISSEN #19

Wenn man die Deutschen befragt, welcher Begriff die gesellschaftliche Situation am besten beschreibt, landet der Begriff „Wissensgesellschaft“ auf Platz 14. Ganz vorne sind Klassen-, Leistungs- und Mediengesellschaft. Aber auch Anspruchs-, Freizeit- oder Dienstleistungsgesellschaft landen noch vor dem Wissen. Um die Wahrnehmung von Wissen als wichtigem Faktor einer modernen Marktwirtschaft ist es also nicht so weit her – ganz im Widerspruch zu seiner gesellschaftlichen Bedeutung. Wissen gilt als vierter Produktionsfaktor, neben den alten fast aus der Zeit gefallenen Begriffen wie Arbeit, Boden und Kapital. In jedes Produkt, jede Dienstleistung, jede Innovation wird Wissen investiert. Wissen, Wachstum und Wohlstand hängen zusammen. Wissen also ist Macht – schon Francis Bacon wusste um den Zusammenhang. Auch das geflügelte Wort „Gewusst wie“ zeigt in seiner ganzen Kürze, wie sehr Wissen Türöffner sein kann, um Probleme zu lösen, erfolgreich zu sein.

„Was wir wissen, ist ein Tropfen, was wir nicht wissen, ein Ozean“

Isaac Newton

Was ist das eigentlich – Wissen?

Wissen – ein schwer greifbarer Begriff. Vielleicht überhöht, auf jeden Fall faszinierend genug, dass sich schon seit Jahrtausenden Gelehrte darüber streiten, was Wissen eigentlich ist. Bücher und mit ihnen ganze Bibliotheken lassen sich füllen mit Abhandlungen über Wissen. Klar ist, wenn wir über Wissen reden, reden wir eben nicht nur über Fakten, Daten, Informationen, einzelne Tatsachen. Die sind allenfalls die Grundlage von Wissen. Wissen produzieren heißt Zusammenhänge herzustellen, Informationen zu bewerten, einzuordnen, zu reflektieren und daraus eine Erkenntnis zu gewinnen. Wissen ist ein Lernprozess, entsteht durch Kopfarbeit. Wissen aber ist immer relativ, nie absolut. Wahrheit gibt es eben nicht. Das Wissen sollte zwar eine größtmögliche Gewissheit in sich tragen, möglichst nahe an eine wenn auch unmögliche Wahrheit herankommen. Schaffen wird es das nie. Ob richtig oder falsch, das nämlich unterliegt dem Lauf der Dinge, neuen Informationen, Fakten, Daten, die das soeben noch für richtig gehaltene Wissensgebäude zum Einsturz bringen. Man bezeichnet Wissen daher auch gerne als „wahre und gerechtfertigte Meinung.“ Da schwingt ein gutes Stück Subjektivität mit, eigene Wahrnehmung mit all ihren Möglichkeiten, aber auch Beschränkungen: Ob wir wollen oder nicht, wir filtern Informationen, bewerten sie, interpretieren sie. Eigentlich also, könnte mal folgern, ist alles Wissen nur Halbwissen. Aber immer noch besser als überhaupt kein Wissen. Und auch dieses Halbwissen kann ja lange Bestand haben, ein ganzes Leben lang. Unbewusst abrufbares Wissen nämlich, das man einmal erlernt hat, fürs Auto- oder Fahrradfahren, Schreiben, Malen, Musizieren, für Handwerk und Dienstleistung. Da wird in unserem Gehirn immerzu erlerntes Wissen mit der Wahrnehmung abgeglichen, wir nutzen es also permanent, wenden es an, ohne uns darüber überhaupt noch bewusst zu werden.

„Zu wissen, was man weiß, und zu wissen, was man tut, das ist Wissen“

Konfuzius

Leben wir in einer Wissensgesellschaft?

Wissen sei der vierte Produktionsfaktor, wird behauptet. Wir leben also in einer Wissensgesellschaft. Aber ist das so? Dem Wirtschaftslexikon zufolge zeichnet sich eine Wissensgesellschaft dadurch aus, das möglichst viele Bürger über „Voraussetzungen verfügen, die es ihnen erlauben, das Angebot an Informationen kritisch und uneingeschränkt nutzen zu können, um sich ein eigenes Urteil im Sinne eines vernünftigen Arguments bilden zu können.“ Es geht also um den Zugang zu Bildung. Lesen können, Urteilsfähigkeit lernen, freien Zugang zu haben zu Bildungseinrichtungen, Bibliotheken, Medien, Internet, Vorträgen. Bildung für alle ist Auftrag an die Politik, um eine Wissensgesellschaft leben zu können. Die nämlich ist in einer (immer noch) globalisierten Wirtschaft bedeutend für Wohlstand, für Wachstum. Werte werden geschöpft, indem Wissen kapitalisiert wird. Ausgaben für Forschung, Entwicklung, Bildung sind Investitionen in die wirtschaftliche Prosperität eines Landes. Im Mittelpunkt dieser Investitionen steht der Mensch. Ihn zu befähigen, Wissen zu produzieren und anzuwenden, ist Kennzeichen einer funktionierenden Wissensgesellschaft. Nicht das bloße Vermitteln von Fakten, Daten, Informationen. Die kleinste digitale Informationseinheit, ein Bit, ist wertlos. Erst ihr Zusammenspiel mit anderen Informationseinheiten und ihre Interpretation führen zu Wissen, zu einem konkreten Nutzen, einem Erkenntnisgewinn, einem Geschäftsmodell. Gerade Unternehmen setzen auf den Faktor Wissen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Für die Gesamtwertschöpfung eines Unternehmens ist zu 60% die Ressource Wissen verantwortlich, so Schätzungen. Aber auch Demokratien benötigen mehr denn je Wissen, um sich behaupten zu können. Bildung, freier Zugang zur freien Informationen, kritische Bewertung, Kriterien einer Wissensgesellschaft also, sind auch Indikatoren für eine Demokratie.

„Mit dem Wissen wächst der Zweifel“

Johann Wolfgang Goethe

Explodiert das Wissen?

„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“, sagt Albert Einstein. Man möchte dem großen Vordenker auch nicht widersprechen, alleine schon weil man seine Relativitätstheorie immer noch nicht durchdrungen hat, weil der eigene Verstand begrenzt erscheint. Vielleicht meint er ja das, dass nämlich im eigenen Verstand immer die Grenze des Wissens liegt. Und in der Tat kommt es auch bei noch so viel verfügbarem Wissen letztlich immer darauf an, was man daraus macht. Da kommen dann Intuition, Kreativität, Phantasie mit ins Spiel. Die Menge an grundsätzlich verfügbaren, gespeicherten und jedermann zugänglichen Informationen jedenfalls ist groß wie selten zuvor. Wir hüten uns davor, „nie zuvor“ zu sagen, das würden wir ja meinen, über alle grundlegenden Informationen zu verfügen, um zu dieser „wahren oder gerechtfertigten Meinung“ zu gelangen. Aber es ist auch weiterverbreitete Meinung, dass nicht nur die Informations-, sondern auch die Wissensmenge überproportional zunimmt. Und zwar in gleichem Maße, wie Datenträger in der Lage sind, Informationen zu speichern, also exponentiell. Es sei weit weniger, beschwichtigen Skeptiker, wobei ihre Schätzungen keine klare Sprache sprechen. Aber das Wissen wächst auf jeden Fall, und auch schnell, sagen sie immer noch. Falsch, sagen die Kritiker: Gespeichert werden vor allem Daten, Fakten, Messwerte: Eine Informationsflut, die uns überrollt, wenn wir ihr keine Dämme entgegenstellen, sie nicht kanalisieren. Eine Welle an Daten, die die Produktion von Wissen eher behindern kann, weil wir die in immer schnellerer Geschwindigkeit eintreffenden und immer zahlreicheren Informationen nicht mehr bewältigen, strukturieren, vernetzen und letztlich bewerten können, um daraus wirklich neues Wissen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und im Bestfall Handeln abzuleiten. Beispiele gibt es genug: Wenn Geheimdienste immer mehr Informationen über gefährliche Personen sammeln, diese aber nicht in das Wissen münden, dass ein Terrorakt unmittelbar bevorsteht. Wenn wir über das Klima so viele Daten sammeln, dass uns die schiere Informationsmenge handlungsunfähig macht. Das Bild von einer Situation, von einem Menschen, einem Problem wird immer unübersichtlicher, je mehr Einzelheiten man von ihm kennt. Wir haben immer mehr Informationen, aber nicht unbedingt mehr Wissen. Werden wir als Gesellschaft daher sogar eher dümmer als schlauer, wissen wir eigentlich weniger als früher, weil das Missverhältnis zwischen zugrunde liegender Datenlage und daraus abgeleitetem Wissen immer größer wird? Ein Puzzle mit fünf Teilen ist nun einmal leichter als eines aus 1000 Teilen. Der Überflutung mit Informationen versucht jeder Einzelne, jede Organisation Herr zu werden mit dem Auslagern von Daten auf Digitale Helfer. Doch wenn ich eine Information auslagere, griffbereit habe, aber nicht gedanklich verfügbar oder im Gehirn fest verankert, kann ich sie in einem Denkprozess eben auch nicht nutzen, kann aus ihnen kein Wissen generieren. (Das ist so, wie wenn man zwar weiß, dass es Mehl gibt und wo man es bekommt. Aber wozu man es braucht, weiß man nicht. So kann man auch nicht backen.).

„Der wird stets das Beste missen, wer nicht borgt, was andere wissen“

Friedrich Rückert

Kann man Wissen managen?

Diese Frage meint wohl eher, kann man Informationen managen. Ziel ist es, aus ihnen nutzbares Wissen zu gewinnen. Das entsprechende „Wissensmanagement“ ist entscheidend für den Erfolg von Unternehmen und einer modernen Gesellschaft. Schwierig in einer Zeit, in der Wissen zunehmend schnell verfällt. Man geht davon aus, dass Schulwissen nach gerade mal 20 Jahren zur Hälfte verfallen ist. Spezialwissen aus Hochschule und Beruf sind sogar schon nach viel weniger Jahren nur noch die Hälfte wert. Und wie man das Wissen managt, ist auch keine leichte Aufgabe: Das reine technische Abspeichern und Zur-Verfügung-Stellen aller relevanter Informationen, Daten und Fakten reicht ja nicht aus. Es geht um den Menschen, um seine Fähigkeit und vor allem seine Motivation, diese Informationen zu bewerten, Wissen aus ihm abzuleiten und letztlich, es der Gesellschaft, dem Unternehmen und seinem Umfeld zur Verfügung zu stellen. Doch wer kennt sie nicht, die Vorgesetzten, Kollegen oder Bekannte, die ihr Wissen zur Machtausübung missbrauchen, es für sich behalten, um ihre Position zu stärken. Letztlich schwächen sie sich in ihrer Position, weil ihr Verhalten bremst. Ob es sich nun um ein Unternehmen oder eine Demokratie handelt. Auch die lebt ja von dem Austausch an Informationen, damit Wissen produziert werden kann, auf dessen Basis man sich auf die jeweils aktuell beste Lösung für eine Gemeinschaft einigen kann. Es gibt also wohl kaum einen Zweifel, dass man für eine offene Diskussionskultur, für Teilhabe, Kooperation, Freiheit und eine Fehlerkultur streiten muss, um aus der Unmenge an heute verfügbaren Informationen neues Wissen generieren zu können.

„Viele wissen vieles, aber noch keiner hat ausgelernt“

Friedrich Rückert

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GEWUSST WO – WISSEN IN COBURG

Ausgewählte Aus- und Weiterbildungseinrichtungen:

  • ASCO Sprachenschule
  • BDP Institut für berufliche Bildung Lohwasser
  • Berufliches Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft bfz
  • BWV Coburg-Thüringen (Berufsbildungswerk der Versicherungswirtschaft Coburg-Thüringen e. V.)
  • connect Telezentrum Neustadt GmbH & Co. KG
  • Evangelisches Bildungswerk
  • Fachakademie für Sozialpädagogik Coburg
  • Hochschule Coburg
  • Industrie- und Handelskammer zu Coburg
  • Medau-Schule
  • Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Nürnberg – Zweigakademie Coburg
  • Volkshochschule Coburg Stadt und Land

Weiterführende und Berufsschulen:

  • Gymnasium Albertinum
  • Gymnasium Alexandrinum
  • Gymnasium Casimirianum
  • Gymnasium Ernestinum
  • Staatliche Realschule I
  • Staatliche Realschule II
  • Fachakademie für Sozialpädagogik Coburg
  • Fachschule für Maschinenbautechnik (Technikerschule)
  • Medau-Schule
  • Staatliche Berufsfachschulen für Hauswirtschaft und für Kinderpflege
  • Staatliche Fachoberschule (FOS) u. Staatliche Berufsoberschule (BOS)
  • Staatliche Wirtschaftsschule
  • Staatliches Berufliches Schulzentrum I
  • Staatliches Berufliches Schulzentrum II Coburg

Bibliotheken in Coburg:

  • Stadtbücherei Coburg
    Öffentliche Bücherei
    Herrngasse 17

    Aus- und Weiterbildung vor allem für Unternehmen: die IHK zu Coburg

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